THE RESULT OF A DECADE’S PERFECTION**
Die NR 750 war 1991 das Maximale, was Honda, was der gesamte Motorradmarkt bieten konnte. Extremste High-Tech zum extremen Preis. Honda brachte das „Unmögliche“ tatsächlich auf die Straße! Ovale Kolben und 8 Ventile pro Zylinder waren unvorstellbar, sensationell, noch nie dagewesen.
Die steinige Entwicklung im Rennsport führte letztendlich viele Jahre später zu diesem technologischen Maximal, das sogar käuflich und zulassungsfähig war! Viele aufwendige Details machen deutlich, dass Geld bei der NR 750 offenbar keine Rolle spielte. Viele Komponenten wurden speziell für die NR gefertigt. Underseat-Auspuffanlage und Sichtkarbon in der Verkleidung waren 1991 wegweisend. Elektronisch gesteuerte Einspritzanlage mit 8 Drosselklappen, titanbeschichtetes Windschild oder alleine der liebevolle Schlüsselanhänger mit Ovalkolbenmodell waren exklusive Features.
NR = New Racing statt „Bambus-Rohren“
Soichiro Honda bezeichnete die in den 1970er Jahren üblichen Zweitaktrennmotoren abfällig als „schreckliche Kreischmotoren mit dem technischen Anspruch von Bambus-Rohren“. Daher kam für Honda bei der NR aus Prinzip nur ein Viertaktmotor für ein Comeback in der damaligen Top-Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft in Frage. Um im Rahmen des 500 ccm-Reglements die Zweitakter herausfordern zu können, setzte Honda ein Entwicklungsziel von 130 PS bei unvorstellbaren 23.000 U/min! (erreicht wurden 1979 im Rennbetrieb 19.600 U/min)***. Der offenbar unbeirrbare Weg dahin führte zu erstaunlichen technologischen Ansätzen und unkonventionellen Lösungen. Anfangs jedoch nicht zu sportlichen Erfolgen. Die ersten Rennauftritte 1979 waren sogar peinliche Ausfallorgien mit mangelhafter Performance. Unfassbare Entwicklungskosten wurden jahrelang in diesen extravaganten Technologie-Overkill investiert. Selbst Mitglieder des Entwicklungsteams fragten sich, ob sich der Aufwand lohnte oder ob er einfach nur Wahnsinn war.
Alleine die ovalen Kolbenringe waren eine jahrelange Herausforderung und man benötigte bei der NR 750 letztendlich 27 Arbeitsschritte vom Guss bis zur Chrombeschichtung.*
V4, ovale Kolben, 32 Ventile, 14.000 U/min – Der „unmögliche“ High-Tech-Motor
Das V4-Motor-Konzept, das in der Rennmaschine NR 500 eingeführt wurde, entwickelte sich zu einem legendären Honda-Design. Darüber hinaus ist der V4-Motor derzeit herstellerübergreifend ein erfolgreiches Standard-Design im Sportmotorradbau.
Ovale Kolben sind bis heute einmalig. Brennräume mit 8 Ventilen ebenso. Selbst der Trend von 5 Ventilen pro Zylinder (z.B. Yamaha) ist mittlerweile Technikgeschichte, Standard sind nun branchenübergreifend (wieder) 4 Ventile pro Zylinder.
100.000 DM, 0 km
Herr Bühler kaufte 1991 diese NR 750 bei der Schwabengarage zum Festpreis von unfassbaren 100.000 DM. Dazu musste er sogar noch zusätzlich eine Erklärung über die voraussichtliche Verwendung der Maschine abgeben. Vermutlich sind insgesamt nur ca. 300 Maschinen produziert worden. Herrn Bühlers NR wurde letztendlich nie gefahren und diente als High-Tech-Exponat im Wohnzimmer mit abgenommener Verkleidung, um die einmalige Technik sichtbarer zu machen.
TECHNISCHE DATEN
Modell: RC 40
Motor: 747,7 ccm*, V4-Zylinder 90°, 4-Takt, DOHC, 32 Ventile, ovale Kolben, 8 Pleuel (Titan), 8 Drosselklappen, 8 Zündkerzen
Bohrung/Hub: 75,3-101,2/42 mm* (ovale Kolben)
Leistung: 125 PS bei 14.000 U/min*
Drehmoment: 63 Nm bei 11.500 U/min*
Getriebe: 6-Gang, Anti-Hopping-Kupplung
Gewicht: 222 kg* (Trockengewicht)
Vmax: 255 km/h
Leihgeber: In Erinnerung an Rolf Bühler
Hersteller: Honda Motor Co., Ltd., Tokyo, Japan
*laut Honda Betriebsanleitung
**eingeprägter Slogan auf dem Tankdeckel
***Motorrad 19/1979: Interview mit Soichiro Irimagiri













